Was ist der Widerrist beim Pferd?

Widerrist beim Pferd erklärt

Die Anatomie des Pferderückens ist einzigartig. Von der muskelgepackten Hinterhand und der Schweifrübe zieht er sich bis nach vorne zum Mähnenansatz. Während in der Reiterei und Pferdebeurteilung dem Hals und der Rückenlänge meist viel Aufmerksam geschenkt wird, ist der Widerrist oft Nebensache. Ein schwerwiegender Fehler, denn er hat einen maßgeblichen Einfluss auf den Bewegungsapparat des Tieres. Wie alle pflanzenfressenden Tiere haben auch Pferde einen langen Hals. Damit erreichen Sie Grasbüschel und auf dem Boden liegendes Heu. Um mit dem Hals flexibel zu sein, benötigen sie sozusagen einen Umlenkarm, der den oft gut bemuskelten Hals ohne große Kraftanstrengung bewegt. Am höchsten Punkt des Widerrists sitzt ein für die Pferdegesundheit wichtiger Schleimbeutel. Er dämpft die knochige Stelle, wo Knochen und Sehnen eng aneinander liegen. In der Zucht ist ein zu hoher Widerrist ebenso ein Makel wie ein wenig ausgeprägter. Im Optimalfall ist der Widerrist bei einem ausgewachsenen Pferd höher als die Kruppe, ist das Gegenteil der Fall spricht man davon dass das Tier „überbaut“ ist.

Nachfolgend erfährst du mehr zum Thema Widerrist beim Pferd und seine Bedeutung für den Reiter.

Wo befindet sich der Widerrist?

Den Widerrist bilden Dornfortsätze zwischen dem zweiten und zwölften Brustwirbel, die bis zu 20 Zentimeter messen. Ihre Länge bestimmt die Höhe und die Kontur des Widerristes. Das Nackenband, das sich vom Genick bis zum Schweif zieht, ist an den Dornfortsätzen festgemacht. Zwischen den beiden Schulterblättern ragt der Widerrist des Pferdes hervor. Er bildet sozusagen den Übergang von der Vor- zur Mittelhand. Rund um den Widerrist liegen wenige, aber umso bedeutende Muskeln. Der Rhomboideus-Muskel bewegt die Schulter und sorgt dafür, dass das Pferd den Hals hebt und die Schulter bewegt. Maßgeblich am Raumgriff des Tieres ist der Trapezmuskel beteiligt: Er lässt die Gliedmaßen nach vorne Schwingen. Außerdem setzt am Widerrist der Rückenmuskel an. Die Muskeln rund um den Widerrist sind nur wenige Millimeter dünn.

Welche Rolle spielt der Widerrist für den Reiter/Pferdebesitzer?

Mache Reiter schenken dem Widerrist zu wenig Aufmerksamkeit, dabei ist diese Körperpartie des Pferdes maßgeblich an der Rittigkeit beteiligt. Dank des Widerristes entsteht eine Hebelwirkung, die dem Pferd ermöglicht den Rücken aufzuwölben. Dadurch kann es das Gewicht seines Reiters gut tragen. Auf einem Pferd mit aufgewölbtem Rücken findet der Reiter leichter die Balance.

Probleme am Widerrist wirken sich auf das Gangbild und das Wohlbefinden des Tieres aus. Sie entstehen unter anderem durch unpassendes Equipment wie falsche Sättel oder zu enge Longiergurte. Drücken diese auf den Schleimbeutel, kann im schlimmsten Fall eine Widerristfistel entstehen. Die Entzündung muss vom Tierarzt behandelt werden und heilt oft schlecht ab.

Für Pferdebesitzer ist der Widerrist ein entscheidendes Kriterium, wenn es um den Sattelkauf geht (z.B. Westernsattel, Englischer Sattel oder Stocksattel). Immerhin liegt der Sattel zwischen dem Widerrist und der Lendenpartie des Tieres auf. Ein geschulter Sattler begutachtet die Lage des Sattels sowohl am stehenden Pferd als auch in Bewegung. Nur so kann er erkennen, ob sich der Sattel beim Reiten stabil auf der Sattellage hält. Ein zu enger Sattel führt zu unangenehmen Druckstellen.

Einen schlecht passenden Sattel erkennt der Besitzer unter anderem daran, dass das Pferd am Widerrist Haare verliert oder das Fell im Anfangsstadium aufgeraut ist. Auch das Schweißbild gibt Aufschluss darüber, ob der Sattel passt: Im Normalfall befindet sich dort, wo der Sattel aufliegt eine gleichmäßige Schweißschicht. Da Druck die Schweißproduktion hemmt, bleibt das Fell an Druckstellen hingegen trocken.

Bei einem gut passenden Sattel besteht vom Kopfeisen zum Widerrist ein ausreichend großer Abstand, mindestens zwei bis drei Finger breit sollten es sein. Außerdem ist auf ausreichende Schulterfreiheit zu achten. Sie erkennen Reiter daran, dass sie eine flache Hand zwischen Kopfeisen und dem seitlichen Widerrist legen können.

Auf beim Aufsitzen kommt der Widerrist ins Spiel. Wer seinem Pferd etwas Gutes tun möchte, nutzt eine Aufstiegshilfe. Gerade beim Aufsteigen auf größere Tiere entsteht durch die kurze, jedoch intensive einseitige Belastung ein hoher Druck auf den empfindlichen Widerrist. Untersuchungen haben ergeben, dass die Belastung auf diesen sensiblen Körperbereich mit Aufstiegshilfe um ein Drittel geringer ist als ohne.

Was Reiter über den Widerrist noch wissen sollten ist, dass die meisten Pferde kräftiges Kraulen in diesem Körperbereich lieben. Am Widerrist können sie sich – außer beim Wälzen – nicht selbst kratzen. Das ist auch mit ein Grund, warum das Fellkraulen befreundeter Koppelpartner oft am Widerrist startet. Eine sanfte Massage am Widerrist empfinden viele Vierbeiner als Belohnung.

Wichtig für den Reiter ist der Widerrist auch, weil an dieser Stelle das Stockmaß des Tieres gemessen wird. Das ist deshalb der Fall, weil sich hier die höchste Stelle des Pferdes befindet, wenn das Tier den Kopf gesenkt hält.

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