Was ist ein englischer Sattel?

Englischer Sattel vorgestellt

Der englische Sattel wurde ursprünglich für die Jagd und für Querfeldeinrennen konzipiert. Der Sattel ist leicht gebaut und entlastet dadurch den Pferderücken. Durch das leichte Gewicht wird die Ausdauer des Pferdes gefördert und der Galopp beschleunigt. Der Sattel verfügt über eine waagrechte Sitzfläche und hat keinen Sattelknauf, wie z. B. ein Westernsattel. Der Sitzbereich wurde flach gestaltet, damit der Reiter bei einem Sturz des Pferdes schnell aus dem Sattel kommt und sich vom Pferdekörper wegrollen kann.

Der Begriff „englischer Sattel“ wird heutzutage als Überbegriff für verschiedene moderne Ausführungen des Sattels verwendet. Das Design hat sich seit seiner Entwicklung allerdings nur wenig verändert. Mittlerweile ist er das bevorzugte Modell für viele Freizeitreiter und Sportreiter in Mitteleuropa. Er wird sowohl in Reitschulen eingesetzt, als auch auf professioneller Ebene bei Spring- oder Dressurwettkämpfen. Weitere Bezeichnungen für den englischen Sattel sind Pritschensattel und Flachsattel.

Für wen eignet sich der englische Sattel?

Er eignet sich für Reitanfänger, die sich erst orientieren müssen. Schulpferde in Reitschulen sind mit Vielseitigkeitssätteln ausgestattet. Im Laufe der Lehrgänge bekommt der Reitschüler einen Eindruck davon, ob er in Richtung Freizeitreiten, Dressur oder Springreiten gehen möchte. Je nachdem welche Art der Reiterei bevorzugt wird, kann er dann weiterhin einen Vielseitigkeitssattel verwenden, oder auf einen Dressur- oder Springsattel wechseln.

Der Sattel eignet sich ebenso gut für fortgeschrittene Reiter und Hochleistungssportler. Durch sein Design ist der englische Sattel hervorragend auf agile und sportliche Tätigkeiten ausgelegt. Die Unterseite des Sattels verfügt zudem über eine dickere Polsterung. Dies soll dem Reiter ermöglichen, eine nur sehr dünne oder gar keine Satteldecke zu benutzen. Dadurch entsteht ein engerer Kontakt zum Pferdekörper. Der Reiter fühlt die Bewegungen des Pferdes intensiver und kann sein Gewicht beim Springen oder bei der Dressur besser einsetzen, um das Pferd zu lenken.

Welche Sattelarten gibt es?

Um einen optimalen Sitz für jede Sportart zu gewähren, sind beim englischen Sattel, je nach Ausführung, die äußeren Formen und die Lage des Bauchgurts leicht verändert.

Vielseitigkeitssattel

Der Vielseitigkeitssattel eignet sich sowohl für den Pferdesport, als auch für das Freizeitreiten. Durch seine Form und Größe kann der Vielseitigkeitssattel für Ausritte, Springen und Dressur verwendet werden. Die Sitzfläche ist mitteltief und liegt nicht zu weit vorne. Für den Hochleistungssport ist er nicht präzise genug geschnitten, eignet sich aber durch seine Flexibilität für Freizeitreiter und Turnierreiter in den kleineren Klassen. Außerdem wird er für die Grundausbildung eines jungen Pferdes und für die Ausbildung angehender Reiter eingesetzt. Vielseitigkeitssättel werden zusätzlich auch in den Kategorien Vielseitigkeit-Dressur und Vielseitigkeit-Springen verkauft. Dabei wird die Ausführung Vielseitigkeit-Dressur (längeres Sattelblatt, tieferer Sitz) für Freizeitreiter empfohlen.

Englischer Sattel mit Beschreibung der Einzelteile.
Englischer Sattel mit Beschreibung der Einzelteile.
Quelle: Klara Rosa / Wikipedia

Dressursattel

Die perfekte Haltung des Reiters während der Dressur erfordert einen geraden, tiefen Sitz mit lang gestrecktem Bein. Um diese Haltung zu unterstützen, sind Dressursättel mit langen Sattelblättern ausgestattet. Damit der Reiter dem Pferd die bestmögliche Schenkelhilfe geben kann, verfügen Dressursättel im höheren Preissegment über ein einfaches (also kein doppelseitiges) Sattelblatt. Das Bein ist somit so nahe wie möglich am Pferd, während es gleichzeitig vor dem Schweiß des Pferdes geschützt ist.

Damit der enge Kontakt zwischen Reiterschenkel und Pferd gewährleistet ist, befinden sich beim Dressursattel die Schnallen für den Gurt nicht unter dem Sattelblatt sondern weiter vorne, hinter dem Ellbogen des Pferdes. Ebenso wird der optimale Sitz für den Reiter durch die weiter hinten liegende Aufhängung der Steigbügelriemen unterstützt.

Springsattel

Im Gegensatz zum Dressurreiter braucht der Springreiter kurze, nach vorne liegende Sattelblätter. Hinzu kommen kurz geschnallte Steigbügelriemen, damit der Reiter beim Sprung sein Gewicht aus dem Sattel heben kann. Der Springsattel ist so speziell geschnitten, dass er sich für andere Anwendungsbereiche, z. B. Freizeitreiten, nicht eignet. Die Beine des Reiters ermüden durch die kurzen Steigbügelriemen schneller. Werden die Riemen länger eingestellt, drückt die Unterkante des Sattelblatts gegen das Reiterbein.

Vor- und Nachteile des englischen Sattels im Überblick

Der englische Sattel ist:

  • vielseitig einsetzbar
  • auch für Ausritte mit leichtem Gepäck geeignet
  • gut gepolstert, dicke Satteldecken sind überflüssig
  • leichtgewichtig, das Aufsatteln ist dadurch einfacher
  • durch seine dünnen Sattelblätter gut für feine Schenkelhilfen geeignet
  • aufgrund seines Gewichts eine geringere Belastung für den Pferderücken. Wodurch auch die Leistung des Pferdes erhöht wird

Die Nachteile des englischen Sattels:

  • Er ist nicht für längere Ausritte oder Wanderritte geeignet.
  • Durch die kurze, gerade Sitzfläche bietet er weniger Halt als z. B. ein Westernsattel.
  • Die knappe Sitzfläche wird bei einem längeren Ritt unbequem.

Die richtige Pflege für den englischen Sattel

Ein Reitsattel ist ständig der Witterung und dem Körperschweiß des Pferdes ausgesetzt. Eine regelmäßige Pflege ist wichtig, da ungepflegtes Leder zu Brüchen im Material führt und zu einem Sicherheitsrisiko wird.

Die richtige Pflege des Sattels ist abhängig von der Art des Leders und der Häufigkeit der Benutzung. Wird der Sattel täglich benutzt, sollte grober Schmutz wöchentlich entfernt werden. Zusätzlich sollte der Sattel einmal im Monat eingefettet werden. Bei unregelmäßiger oder seltener Benutzung kann die Reinigung entsprechend angepasst werden.

Welche Pflegeprodukte gibt es?

Beim Kauf eines oder mehrerer Pflegeprodukte muss auf die Art des Leders geachtet werden, aus dem der Sattel hergestellt ist (z. B. Wildleder oder Glattleder). Am besten ist es, sich nach den Herstellerangaben zu richten. Grundsätzlich stehen folgende Produkte zur Auswahl:

Sattelseife

Die Sattelseife wird – je nach Produkt – direkt aufgetragen, oder muss mit Wasser vermischt werden. Sattelseife eignet sich für die Beseitigung von Schmutz auf dem Sattel.

Lederöl

Lederöl ist besonders für trockenes Leder geeignet. Das Öl sollte immer sparsam aufgetragen und eingerieben werden, da sonst das Leder aufquillt.

Lederfett

Eine gute Alternative zu Lederöl. Lederfett wird mit einem trockenen, weichen Tuch aufgetragen und in das Leder eingerieben.

Lederbalsam

Eine weitere Alternative zu Lederöl und Lederfett. Lederbalsam wird ebenfalls mit einem weichen Tuch aufgetragen und nach kurzer Einwirkungszeit abgewischt.

Die regelmäßige Sattelpflege garantiert nicht nur die Sicherheit des Reiters, sondern erhöht – bei Bedarf – auch den Wiederverkaufswert des Sattels.

Alternativen zum englischen Sattel

Wer einen gemütlichen Sitz oder längere Freizeitritte bevorzugt, sollte über die Anschaffung eines Westernsattels nachdenken. Westernsättel werden im Freizeitsport immer beliebter. Durch ihre bequeme Sitzfläche ermöglichen sie stundenlange Ausritte oder auch Tagesritte. Durch den Sattelknauf und den tiefen Sitz, hat der Reiter mehr Halt und kann es sich auf dem Pferderücken gemütlich machen.

Für längere Touren empfehlen sich auch Wanderreitsättel. Sie verfügen nicht über den für Westernreitsättel typischen, hohen Sattelknauf, sind aber besonders für die Bequemlichkeit von Pferd und Reiter konzipiert. Auch Gepäck kann an Wanderreitsätteln befestigt werden.

Eine weitere Alternative ist der sogenannte baumlose Sattel. Dieser Sattel verfügt über keinen Sattelbaum. Der Sattelbaum ist der Teil eines Sattels, der das reiterliche Gewicht gleichmäßig auf den Pferderücken verteilt. Dieser Sattel ist umstritten bei Reitern. Gegner dieses Sattels sagen, dass der baumlose Sattel ungesund für das Pferd ist. Durch den fehlenden Sattelbaum sei das sensible Rückgrat des Tieres dem Gewicht von Sattel und Reiter schutzlos ausgeliefert. Befürworter des Sattels argumentieren, dass man durch den Einsatz eines baumlosen Sattels die Bewegungen des Pferdes besser wahrnehme und so mehr Gespür für die Bewegungsabläufe des Tieres entwickelt. Vor dem Kauf eines baumlosen Sattels sollte auf jeden Fall ausgiebig recherchiert werden.

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