Weiße Friesen

Weiße Friesen vorgestellt

Nur wenige Vertreter des Tierreichs wirken so beeindruckend wie Friesenpferde. Ihre Größe und Statur sowie die mächtigen Hufe und der lange Behang verleihen ihnen etwas Imposantes. In Verbindung mit schwarzglänzendem Fell verstärkt sich dieser Effekt. Doch sind Rappen der einzige Farbschlag, den die kräftig gebauten Pferde zeigen dürfen? Wie sieht es mit weißen Friesen aus? Häufig sieht man diese majestätischen Tiere auf imposanten Bilder doch gibt es sie wirklich? Ein Blick in die Geschichte der Rasse verrät es:

Was sind Friesen?

So imposant Friesen auch wirken: Das mächtige Erscheinungsbild ist nichts im Vergleich zu den Tieren, aus denen sie hervorgingen. Das ursprüngliche Exterieur der Pferde war noch stabiler und breiter als heute – und zum Reiten überhaupt nicht geeignet. Daher kamen die Kraftpakete vornehmlich als Zugtiere zum Einsatz. Sie halfen beim Transport von Waren, beim Bestellen der Felder und beim Bewegen von Kutschen oder Schlitten. Besondere Farbschläge waren unter diesen Umständen uninteressant; die Tiere zeigten gewöhnliche Brauntöne. Ihren klingenden Namen tragen sie nach der Gegend, aus der die stammen – der niederländischen Provinz Friesland.

Spanisch-niederländische Kreation

Als die Gegend während des 80-jährigen Krieges von Spaniern besetzt wurde, fanden die Eroberer sofort Gefallen an den großen Tieren. Sie verschifften mehrere Exemplare in ihre Heimat, wo sie mit spanischen Pferden gekreuzt wurden – und ihr heutiges Erscheinungsbild bekamen. Das Äußere war nun feiner, die Bewegungen eleganter; das ruhige Wesen der ursprünglichen Friesen aber blieb erhalten. Im Zusammenspiel mit dem langgestreckten Rücken der Rasse wurden die Pferde zu beliebten Reittieren. Vor allem Damen wussten die große Auflagefläche für ihre Spezialsättel schätzen. Doch noch immer gab es keine eindeutige Tendenz zu bestimmten Farben.

Barocke Prachtpferde mit Gütesiegel

Das sollte sich erst in der Prunk-Phase des Barock ändern. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts erhielten die imposanten Friesen Repräsentations-Status. Sie wurden jetzt gezielt für Paraden und als Antrieb für königliche Kutschen gezüchtet. Dabei verschob sich der Fokus zunehmend auf schwarze Tiere, denn Rappen brachten das mächtige Exterieur der Rasse noch besser zur Geltung. Um diese Wirkung zu bewahren, wurde ein Standard festgelegt: Ein bis heute geltender Inzuchtfaktor gab an, wie stark das Genmaterial von Friesen durch andere Rassen beeinflusst ist – und überhaupt sein darf. Das bewahrte nicht nur die typischen Merkmale der Pferde, sondern trug auch zur Verbreitung schwarzer Exemplare bei.

Nur knapp überlebt

Dieses Aussehen bewahrten die majestätischen Friesen bis ins Industriezeitalter; danach verlor sich ihre Bedeutung immer mehr. Waren die kräftigen, gutmütigen Pferde eben noch beliebte Kutsch- und Ackertiere, wurden sie zunehmend von motorisierten Geräten verdrängt. Autos und Landwirtschaftsmaschinen ließen den Bestand reinrassiger Friesen auf wenige Exemplare sinken. Mit Hilfe von drei verbliebenen Hengsten konnte die Zucht wieder aufgenommen werden, sodass eine der schönsten und eindrucksvollsten Pferderassen vor dem Untergang bewahrt wurde.

Gibt es weiße Friesen?

Das beantwortet die zentrale Frage dieses Beitrags fast von selbst. Die Vermehrung der einst so gefragten Pferde basiert auf drei Tieren, die dem barocken Standard entsprechen. Er gibt vor, dass ein Friese schwarz zu sein hat. Das ist eine Voraussetzung dafür, überhaupt ins Rassebuch eingetragen zu werden. Naturgemäß bringen schwarze Hengste und schwarze Stuten überwiegend schwarze Nachkommen hervor.

Eine Ausnahme davon bilden sogenannte Friesenfüchse. Sie entstehen, wenn ein Elternteil das Gen für fuchsfarbenes Fell in sich trägt. Ähnlich wie beim Menschen folgt es keiner Regelmäßigkeit; es ploppt unvermittelt auf und kann selbst nach mehreren Generationen ein Fuchs-Fohlen hervorbringen. Diese extrem seltene Abweichung ist bei Friesen jedoch nicht erwünscht – und wird daher auch nicht forciert.

Ähnliches gilt für scheinbar weiße Exemplare. Sie entstammen einer Verbindung von Friesenpferd und Andalusier oder der Kreuzung zwischen Friesenpferd und Araber. Nur SCHEINBAR weiß sind sie deshalb, weil das Tier nicht dem Standard entspricht – denn es trägt ja Anteile der anderen Rassen in sich. Sie bedingen ein leicht verändertes Aussehen, das folgende Merkmale erfüllt:

  • Auf den ersten Blick sind kaum Unterschiede auszumachen; das Gesamtbild des Pferdes erinnert sehr stark an einen echten Friesen.
  • Der Kopf ist kleiner und leichter gebaut; er weist je nach Kreuzungspartner deutliche Zeichen eines Araber- oder Andalusierschädels auf.
  • Die Beine sind schlanker und feingliedriger als bei einem echten Friesen.
  • Das Fell ist seidig strukturiert; vor allem aber besitzt es den hellen Ton des beteiligten Arabers bzw. Andalusiers.

Kann man weiße Friesen kaufen?

So gestaltete Friesen sind äußerst selten – und von der Anlage her niemals reinrassig. Das wohl bekannteste Exemplar ist der deutsche Hengst Nero, dessen Besitzer ihm einen eigenen Internet-Auftritt gewähren. Die Ausnahmeerscheinung wird in vielen Shows als „Weißer Friese“ angekündigt; erfüllt diese Bezeichnung jedoch nur zum Teil.

Die nicht gegebene Reinrassigkeit ist jedoch nur ein Faktor, der die Entscheidung einen weißen Friesen zu kaufen beeinträchtigen könnte. Die „Beimischung“ von Araber oder Andalusier macht sich nämlich nicht nur äußerlich bemerkbar – sondern auch im Charakter. Das relaxte Wesen eines echten Friesen kann hinter die hitzigen Züge der anderen Rassen zurücktreten – und den Umgang mit dem Kraftpaket erschweren.

Es wäre schade, ein über Jahrhunderte perfektioniertes Pferd aus rein optischen Gründen zu manipulieren oder sich beim Kauf eines Tieres von dessen Fellfarbe leiten zu lassen.

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