Headshaking beim Pferd – Symptome, Ursachen und Therapieansätze

headshaking beim pferd erklärt

Headshaking bezeichnet das sonderbare Kopfschütteln eines Pferdes. Der Auslöser für die Kopfbewegungen ist nicht immer klar ersichtlich. Es kann sich um eine Überempfindlichkeit, die Auswirkung einer Krankheit oder eine Verhaltensstörung handeln.

Was ist Headshaking beim Pferd?

„Headshaking“ ist Englisch für „Kopfschütteln“. Pferde kennen viele natürliche Situationen, in denen sie den Kopf schütteln. Das ist der Fall, wenn

  • ein Insekt um ihren Kopf schwirrt
  • die Ohren jucken
  • ein Juckreiz in der Nasenhöhle besteht
  • ihnen etwas weh tut
  • Teil des Imponiergehabes beim Spielen.

Beim Headshaking sind diese natürlichen Auslöser nicht vorhanden. Vielmehr zeigt das Pferd die Symptomatik in ungewöhnlichen Zusammenhängen und manchmal als eine Art stereotypisches Verhalten.

Es gibt Pferde, die bevorzugt in Stresssituationen, bei Ausführung von Reitlektionen, in bestimmten Ecken in der Reithalle oder bei gewissen Stellungs- und Biegungswinkeln plötzlich heftig mit dem Kopf schütteln.

Andere Pferde zeigen Headshaking als saisonales Phänomen ab dem Frühjahr. Studien wiesen bereits einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Kopfschlagen Lichteinfallwinkeln und der Sonnenintensität nach.

Dazu kommt, dass Pferde mit dem Beginn der Insektenplage ab Mai am Kopf grundsätzlich empfindlicher werden.

Sehr wahrscheinlich steht das Kopfschütteln insgesamt in starker Verbindung mit dem Trigeminusnerv (Drillingsnerv). Das ist ein großer Hirnnerv, der in drei Verzweigungen durch den Kopf und das Gesicht des Pferdes läuft.

Es gibt drei Arten von Headshaking

Da die Auslöser sehr verschieden sein können, unterteilt man das Headshaking in drei Gruppen:

  • Stereotypes Headshaking
  • Symptomatisches Headshaking
  • Idiopathisches Headshaking

Nachfolgend werden diese drei Arten des Headshakings beim Pferd nun näher erläutert:

Stereotypes Headshaking

Eine Stereotypie ist eine psychomotorische Verhaltensauffälligkeit. Pferde nutzen diese Verhaltensweisen, um psychische Leiden oder emotionalen Druck durch körperliche Bewegungen auszugleichen.

Pferd schlagen mit dem Kopf, wenn sie aus irgendeinem Grund gestresst oder in die Enge getrieben sind.

Das kann in chronischem Zustand auch dann auftreten, wenn sich Pferde in Boxen eingesperrt oder von unpassenden Nachbarpferden bedroht fühlen.

Diese Form von Headshaking beim Pferd ist vergleichsweise selten.

Symptomatisches Headshaking

Beim symptomatischen Kopfschütteln liegt eine klar ersichtliche Ursache vor. Symptomatisch bedeutet, dass das Kopfschütteln das sichtbare Symptom einer Krankheit ist. Meistens sind das Schmerzen im Hals oder Rücken, Zahnprobleme, Infekte, Nervenentzündungen oder Parasiten in den Ohren. Diese Form des Headshaking macht etwa 20 Prozent aller Fälle aus.

Idiopathisches Headshaking

Mit Abstand am häufigsten ist das Idiopahtische Kopfschütteln. Das Wort Idiopathisch stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne erkennbare Ursache“.

Wissenschaftliche Studien zeigten, dass Hengste und Wallache mehr zu dieser Form des Headshaking neigen, als Stuten. Das Idiopathisches Headshaking nimmt typischerweise ab dem Frühjahr und Sommer zu. Es kann alle Rassen betreffen.

Fälle von Überreizungen und Entzündungen des bereits erwähnten Trigeminusnerves (Trigeminusneuralgie) werden zur letzten Gruppe der idiopathischen Headshaker gezählt. Der Grund dafür ist, dass da der Auslöser für die Überreizungen des Hirnnerves nicht immer ganz klar ist.

Schuld können falsche Fütterung, unpassende Trensen, schmerzende Gebisse, Verspannungen, grobe Reitweisen, Umwelteinflüsse und vieles mehr sein.

Wie sieht Headshaking denn nun genau aus?

Headshaking gleicht den natürlichen Auf- und Abbewegungen eines Pferdes, das wütend den Kopf schüttelt, weil eine Fliege um die Nase oder die Augen schwirrt.

Es kann auch dem Hengstspiel und Dominanzverhalten ähnelt. Dann rotieren Pferde zusätzlich den Kopf aus dem Hals heraus.

Krankhaftes Headshaking kann mit diesen weiteren Anzeichen einhergehen:

  • Schnauben oder Niesen
  • Reiben der Nase an den Vorderbeinen oder einer Wand
  • Gesichtsmuskelzuckungen
  • sonderbare Bewegungen der Oberlippe

Einige Pferde ziehen sich sichtbar von der Sonne und dem Licht zurück und meiden im Hochsommer das Freie. Hier ist die Verbindung zu einer Überempfindlichkeit und Sinnesüberreizung durch Licht klar erkennbar.

Symptome wie Nasenausfluss oder dauerndes Niesen können auf eine Allergie hinweisen. Das Pferd schüttelt dann mit dem Kopf, weil die Nase juckt und es sich nicht kratzen kann.

Warum nimmt Headshaking zu?

Headshaking ist keine Erscheinung der Neuzeit, auch wenn es manchmal so erscheint. Es gibt 200 Jahre alte Dokumente, die dieses Phänomen beschreiben.

Damals empfahl man den Reitern, den Pferdekopf möglichst fest zu führen oder mit Hilfszügeln zu fixieren.

Die dokumentierten Fälle nehmen tatsächlich zu. Das kann zum einen daran liegen, dass man mit Headshaking heute sensibler umgeht, statt Pferde nur zu fixieren und zum Stillhalten zu zwingen.

Gleichzeitig liegt es auf der Hand, dass die Sinnesüberreizung auch bei den Tieren zunimmt. Früher waren Pferdeställe Orte der Ruhe. In vielen gehobenen Reitakademien darf bis heute nicht laut gesprochen werden und Lärm wird vermieden.

Gewöhnliche Reitställe sind heute oftmals laute Orte: Sie sind direkt an Straßen gebaut, es wird selbst im Reitunterricht mehr geschrien, denn geflüstert und die Ruhezeiten der Pferde sind insgesamt weniger geworden.

Pferde reagieren auf zunehmende Umweltgifte im Heu, im Getreide, im Wasser oder in der Luft. Einflüsse durch Hochspannungsleitungen, Handystrahlen und menschlichen Stress haben die letzten fünfzig Jahre enorm zugenommen.

Headshaking kann auf verschiedene Weise therapiert werden

Bei leichten Fällen reicht manchmal schon die Umstellung der Lebensbedingungen. Weniger Stress und eine angepasste Reitausrüstung können Wunder bewirken.

Viele Pferde reagieren gut auf sensiblere Reitweisen, gebisslose Zäumungen oder weiches Zaumzeug.

Osteopathen, Chiropraktiker und Physiotherapeuten (siehe hier auch weitere Pferdeberufe) bringen das Gesamtsystem Pferd wieder in Einklang. Sie lockern die Muskulatur und sorgen für freien Fluss der Nervenimpulse.

Manchmal steckt auch nur ein eitriger Zahn dahinter. Ist der entfernt, läuft das Pferd wieder beschwerdefrei.

Pferde mit erhöhter Licht- oder Insektenempfindlichkeit profitieren von abgedunkelten Augenmasken, Fliegenfransen und Netzen zum Schutz der Nüstern

Homöopathen und Naturheilkundler zielen durch verschiedene Ansätze darauf ab, Psyche und Körper des Pferdes wieder in Einklang zu bringen.

Sehr gute und sehr einfache Lösungen bieten zudem Gaben des Minerals Magnesium und der Aminosäure Tryptophan. Beide Stoffe sorgen für eine Entlastung und Stärkung der Nerven. Bei Headshakern wurde häufig eine Störung des Melatoninspiegels beobachtet. Melatonin ist das Schlaf- und Ruhehormon und steht in enger Verbindung mit dem Tryptophanstoffwechsel.

Trigeminusneuralgien können mit den Medikamenten Cyproheptadin und Carbamazepin behandelt werden. Beiden haben allerdings einen ermattenden Effekt auf das Pferd und sollten nur vorübergehend zu Behandlung von akuten Überreizungen und Schmerzzuständen eingesetzt werden.

In seltenen Ausnahmefällen entschieden sich Pferdehalter auch schon für die Durchtrennung von Gesichtsnerven. Das ist allerdings sehr risikoreich und sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und das Pferd im Alltag selbst ohne Reitbelastung stark leidet.

Für eine Behandlung sollte man aber auf jeden Fall erst einen Tierarzt aufsuchen.

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