Hilfszügel beim Pferd

Ein Hilfszügel ist – wie der Name schon sagt – eine Hilfe für Reiter und oder Pferd. Ein gut geschulter Reiter mit einem gut ausgebildeten Pferd braucht in der Regel keine Hilfszügel. Für Reitanfänger, falsch gerittene Pferde, an der Longe oder in Situationen, in denen das Pferd hitzig wird, können Hilfszügel allerdings vorübergehend notwendig sein und ein korrektes Reiten unterstützen.

Welche Arten von Hilfszügeln gibt es?

Man unterscheidet dabei verschiedene Arten von Hilfszügeln mit unterschiedlichen Wirkungen und Anwendungsgebieten. Nachfolgend stelle ich sie dir vor:

Ausbinder

Bild von anna seuberth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der wohl bekannteste Hilfszügel ist der klassische Ausbinder. Dieser wird seitlich am Sattelgurt verschnallt und im Trensengebiss eingehangen. Dadurch wird eine Zügelverbindung simuliert. Dies kann beim Longieren hilfreich sein, denn so wird das Pferd in der korrekten Haltung gearbeitet und kann sich nicht herausheben und den Rücken wegdrücken. Auch für junge Pferde, die sich erst an die Reiterhilfen gewöhnen müssen, können Ausbinder der erste Schritt in Richtung Zügelkontakt sein. Auch beim Reitunterricht für Anfänger sieht man oft ausgebundene Pferde. Auch hier dienen die Hilfszügel dazu, das Pferd in der korrekten Haltung zu arbeiten, auch wenn der Reiter dies vielleicht noch nicht selbst umsetzen kann.

Vorteile

  • Das Pferd kann sich nicht herausheben und bleibt in der korrekten Haltung.
  • Vor allem für das Longieren und für Reitanfänger geeignet.

Nachteile:

  • Ausbinder sind sehr starr und lassen keine Dehnungshaltung zu. Deshalb sollten sie nur für kurze Zeit und nach einer langen Lösungsphase eingesetzt werden.
  • Da Ausbinder nicht nachgeben, sind sie zum Springen oder Ausreiten nicht geeignet.

Martingal

Das Martingal ist ein Hilfszügel, der vor allem beim Springen und im Gelände eingesetzt wird. Es besteht aus zwei Ringen, die in die normalen Zügel eingefädelt werden und die dann mit dem Vorderzeug des Pferdes verbunden werden. Wenn das Pferd in einer korrekten Haltung läuft, hängt das Martingal durch, hat also keine Wirkung. Wenn das Pferd hitzig wird und den Kopf hochreißt, wird der Zügel durch das Martingal abgeknickt, wodurch die Einwirkung bestehen bleibt. Das Pferd kann sich den Zügelhilfen nicht entziehen, der Reiter behält die Kontrolle.

Vorteile:

  • Bei Pferden, die sich durch Herausheben dem Zügel entziehen, kann der Reiter mit Martingal die Kontrolle behalten.
  • Wird vor allem beim Springen und im Gelände eingesetzt.

Nachteile:

  • Nicht für Pferde mit Headshaking-Syndrom geeignet.

Stoßzügel

Bild von Anna Seuberth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Stoßzügel wird am Sattelgurt befestigt und durch die Vorderbeine des Pferdes zu den Gebissringen geführt. Damit kann das Pferd seinen Kopf nur bis zu einer gewissen Höhe heben. Es wird also derselbe Zweck wie bei einem Martingal verfolgt. Allerdings ist der Stoßzügel starr und kann nicht wie das Martingal vom Reiter in der Wirkung variiert werden.

Vorteile:

  • Ein Stoßzügel verhindert, dass sich das Pferd heraushebt.

Nachteile:

  • Durch die Starrheit des Hilfszügels ist kein Springen oder Ausreiten möglich.
  • Bei unerfahrenen Pferden oder in Schrecksituationen kann das Pferd sich im Stoßzügel verheddern und stürzen.

Schlaufzügel

Bild von anna seuberth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Schlaufzügel verläuft wie ein Stoßzügel vom Sattelgurt zwischen den Vorderbeinen bis zu den Gebissringen. Allerdings wird er nicht im Gebiss eingehangen, sondern bis zur Reiterhand hindurchgezogen. So bildet sich ein zweites Paar Zügel. Werden diese angenommen, entsteht ein Druck am Kopf des Pferdes in Richtung Brust. Damit sind Schlaufzügel vor allem für Korrekturpferde geeignet, die eine falsche Kopfhaltung gelernt haben und sich durch Herausheben den Reiterhilfen entziehen wollen.

Da man mit einem Schlaufzügel allerdings auch viel Zwang ausüben kann, indem man den Kopf des Pferdes auf die Brust zieht, gehört dieser Hilfszügel nur in erfahrene, sensible Reiterhände. Der Reiter muss zwei Zügelpaare unabhängig von einander „bedienen“ können und sensibel mit den Hilfen sein. Richtig eingesetzt ist der Schlaufzügel eine gute Möglichkeit, einem Pferd falsche Verhaltensweisen abzugewöhnen. Dafür muss der Schlaufzügel so angenommen werden, dass das Pferd beim Herausheben einen leichten Druck am Gebiss spürt. Dann kann der Reiter anders als beim Stoßzügel flexibel nachgeben und dem Pferd so den korrekten Weg in die Tiefe zeigen.

Vorteile:

  • Für Korrekturpferde sind Schlaufzügel gut geeignet.

Nachteile:

  • Schlaufzügel gehören nur in erfahrene, sensible Reiterhände und dürfen niemals als Zwang eingesetzt werden.

Dreieckszügel

Bild von anna seuberth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Dreieckszügel sind wie Schlaufzügel, die allerdings nicht in die Reiterhand münden, sondern seitlich am Sattel befestigt werden. Damit sind sie eine Kombination aus Ausbindern und Stoßzügeln, dabei allerdings immer flexibel. Möchte sich das Pferd mehr strecken, rutschen Dreieckszügel entsprechend so durch das Gebiss, dass sie die Dehnung nach unten erlauben. Damit sind Dreieckszügel zum Longieren und für Reitanfänger sehr gut geeignet.

Vorteile:

  • Durch ihre Flexibilität sind Dreieckszügel sehr weiche und dennoch effektive Hilfszügel. Das Pferd kann sich nicht herausheben, aber dennoch seine Halshaltung variieren.
  • Zum Longieren und für Reitanfänger geeignet.

Nachteile:

  • Zum Springen oder Ausreiten dürfen Dreieckszügel aufgrund der Sturzgefahr nicht verwendet werden.

Lauffer-Zügel

Bild von Lauffer, Public domain, via Wikimedia Commons

Lauffer-Zügel werden seitlich am Longiergurt oder am Sattel befestigt, durch das Gebiss gezogen und dann noch einmal weiter oben am Longiergurt oder Sattel eingehangen. Je höher der Hilfszügel eingestellt wird, desto stärker ist die Aufrichtung des Pferdes. Ähnlich wie bei einem Dreieckszügel verlaufen Lauffer-Zügel flexibel durch das Gebiss und erlauben dem Pferd verschiedene Halshaltungen. Eine extreme Dehnung nach vorwärts-abwärts ist im Gegensatz zu Dreieckszügeln nicht möglich. Dafür kann eine Aufrichtung erzielt werden, die wiederum bei der Arbeit mit Dreieckszügeln nicht erreicht werden kann.

Lauffer-Zügel werden deshalb vor allem bei fortgeschrittenen Pferden eingesetzt, die eine höhere Aufrichtung halten können. Auch zum Anpiaffieren ist dieser Hilfszügel beliebt.

Vorteile:

  • Der Lauffer-Zügel ist flexibel und ermöglicht eine Aufrichtung des Pferdes.

Nachteile:

  • Aufgrund der fehlenden Möglichkeit der Dehnung sollten Lauffer-Zügel erst nach einer langen Lösungsphase und nur für kurze Reprisen eingesetzt werden.
  • Für junge, unausbalancierte Pferde sind Lauffer-Zügel nicht optimal.

Halsverlängerer

Ein Halsverlängerer ist eine Art flexibler Stoßzügel aus Gummi, der zwischen den Vorderbeinen und dem Gebiss eingehangen wird. Grundsätzlich ist Flexibilität bei Hilfszügeln gut, bei einem Halsverlängerer sorgt das nachgiebige Material bei vielen Pferden dafür, dass sie sich nicht am Gebiss abstoßen und sich selbst tragen, sondern sie sich gegen den Druck wehren und mit der Unterhalsmuskulatur dagegendrücken oder sich hinter der Senkrechten verkriechen. Deshalb werden Halsverlängerer kaum noch eingesetzt.

Vorteile:

  • Der Halsverlängerer ist eine Art flexibler Stoßzügel.

Nachteile:

  • Viele Pferde wehren sich gegen den Druck und festigt eine falsche Halshaltung.

Chambon

Chambon (links) und Gogue am Pferd (rot) – Bild von Chambon.jpg: anna (Aes) / derivative work: Malyszkz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Chambon wird am Vorderzeug befestigt und anschließend durch das Genick des Pferdes geführt und von oben in den Trensenring eingehakt. Hebt das Pferd den Kopf zu weit nach oben, wird Druck im Genick ausgeübt, der sofort wieder verschwindet, sobald das Pferd den Hals wieder korrekt fallen lässt. Die Tiere lernen so sehr schnell, wie sie unangenehmen Situationen entgehen können.

Vorteile:

  • Das Pferd lernt eine korrekte Halshaltung.

Nachteile:

  • Es gibt keine seitliche Begrenzung, das Pferd lernt nicht sich am Gebiss abzustoßen.
  • Hebt sich das Pferd heraus, entsteht am Gebiss Druck nach oben, der beim Reiten mit den normalen Zügeln nicht entsteht. Das Pferd wird also eher weniger auf die korrekten Reiterhilfen vorbereitet.

Welche Kritik an Hilfszügeln gibt es?

Hilfszügel bei Pferden sind nicht unumstritten. Deswegen möchte ich nachfolgend auch noch ein paar Argumente gegen Hilfszügel anbringen. Schreibt mir gerne eure Meinung zu Hilfszügeln bei Pferden in die Kommentare.

Ein guter Reiter braucht keine Hilfszügel

Hilfszügel sind wie der Name schon sagt eine Hilfestellung für Pferd und/oder Reiter. Auf lange Sicht sollte sich der Einsatz der Hilfszügel durch korrektes Reiten erübrigen.

Viele Ausbilder halten nichts von Hilfszügeln, da sie dem Reiter teilweise die Einwirkung abnehmen und der Reiter so nur schwer ein Gefühl von der richtigen Hilfengebung erhalten kann. Grundsätzlich gilt: Ein korrekt ausgebildetes Pferd und ein gut sitzender Reiter benötigen keine Hilfszügel.

In der Ausbildung wollen viele Reiter durch den Einsatz von Hilfszügeln den korrekten Weg abkürzen und schneller an das gewünschte Ziel kommen. Allerdings ersetzen Hilfszügel keine korrekte Ausbildung. Ausbildungsschritte, die übersprungen werden, machen sich später teuer bezahlt.

Auch zum Longieren werden nicht unbedingt Hilfszügel benötigt. Mit einer korrekten Ausbildung am Kappzaum kann dem Pferd ebenfalls beigebracht werden sich vorwärts-abwärts zu dehnen und den Rücken aufzuwölben. Dies dauert zwar unter Umständen mehr Zeit als mit der Verwendung von Hilfszügeln, allerdings lernt das Pferd so von Beginn an sich selbst zu tragen und entwickelt eine korrekte Muskulatur.

In einigen Fällen, macht der Einsatz von Hilfszügeln Sinn

Obwohl man also zur korrekten Pferdeausbildung keine Hilfszügel braucht, gibt es einige Fälle, in denen der Einsatz von Hilfszügeln notwendig ist oder zumindest die Arbeit deutlich erleichtert.

Bei der Korrektur von Problempferden ist es beispielsweise oft sinnvoll dem Pferd so schonend eine korrekte Haltung zu vermitteln. Vor allem, wenn falsche Verhaltensmuster durchbrochen werden müssen, können Hilfszügel eine echte Erleichterung sein. Schließlich ist es für ein Pferd auch nicht gut ständig mit weggedrücktem Rücken und mit herausgestrecktem Unterhals herumzulaufen.

Das gleiche gilt für Pferde, die von Reitanfängern geritten werden. Unerfahrene Reiter haben in der Regel noch mit ihrer eigenen Balance zu tun und können das Pferd noch nicht korrekt über den Rücken reiten. Damit die Pferde nicht falsch belastet werden, werden Hilfszügel eingesetzt.

Das wichtigste ist die korrekte Anwendung

Häufig werden Hilfszügel kritisiert, weil sie falsch genutzt werden. Selbstverständlich ist es notwendig Hilfszügel immer korrekt zu verschnallen. Zu locker verschnallt haben die meisten keine Wirkung und werden höchstens zur gefährlichen Stolperfalle. Zu fest verschnallt wird das Pferd in eine unangenehme Haltung gezwungen. Vor allem Schlaufzügel stehen dabei immer wieder in der Kritik. In einer korrekten, pferdegerechten Ausbildung hat jeglicher Zwang allerdings nichts zu suchen.

Wenn ein Hilfszügel aber korrekt angewendet und nicht als Zwangsmittel missbraucht wird, sind sie eine gute Hilfe und können zeitweise die Ausbildung erleichtern bis das Pferd und/oder der Reiter die gewünschte Haltung auch ohne Hilfsmittel erarbeiten können. Ein dauerhafter Einsatz kann und darf allerdings nicht das Ziel sein.

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