Voltigieren Übungen (Pflicht und Kür)

voltigieren übungen

Voltigieren ist eine Sportart, wobei akrobatische und turnerische Übungen auf einem Pferd ausgeübt werden. Das Pferd bewegt sich an einer Longe im Kreis. Bei dieser Randsportart arbeiten Mensch und Pferd eng zusammen. Es wird allerdings nicht auf dem Pferd geritten, sondern vielmehr auf dessen Rücken geturnt. Das Turnierprogramm bei diesem Reitsport unterteilt sich in einen Pflichtteil und in einen Kürteil. Hierbei kommen immer wieder jene Übungen zum Einsatz, die als Grundübungen bezeichnet werden. Diese gilt es sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Voltigierer gut zu beherrschen. Die Grundübungen bilden nämlich die Basis für etliche weiterführende Übungen.

Der Unterschied zwischen den Pflichtteil- und den Kurübungen

Beim Training geht es neben der Arbeit mit der Gruppe und dem Pferd auch darum, die volle Verantwortung für das Tier zu übernehmen. Da oftmals mehrere Personen zusammen mit dem Sportpferd eine Gruppe bilden, wird bei den Übungen auf die Choreographie großen Wert gelegt. Durch die sportliche Leistung mit und am Pferd verbessern sich bei Mensch und Tier die Körperwahrnehmung und die Koordination.

Jedes Gruppenmitglied muss im Pflichtteil dieselben Übungsabfolgen vorturnen. Die oft waghalsigen Stunts auf dem Pferderücken erfordern vom Sportler verschiedene Fähigkeiten. Dazu zählen mitunter eine perfekte Körperbeherrschung, eine ideale Körperspannung, viel Kraft und eine extreme Beweglichkeit. Im Kürteil hingegen zeigen die Sportler samt Pferd eine kreative Choreographie. Diese besteht in der Regel aus Gruppen, Einzel- und Partnerübungen. Oftmals erfolgt der Kürteil im Schritt, der Pflichtteil wird gelegentlich auch im Galopp geturnt.

Übungen im Überblick

Es gibt beim Voltigieren Kür- sowie Pflichtübungen und ein Technikprogramm. Bei den Pflichtübungen spielt die Reihenfolge eine Rolle, zudem müssen die Übungen streng nach Vorgabe absolviert werden. Die Kür- und Pflichtübungen werden beim Technikprogramm koordiniert. Die Bewegungsabläufe und die Techniken werden zusammengefasst in Strukturen, wobei es dynamische und statische Elemente gibt. Der Reiter kann bei den Kürübungen frei entscheiden, welche Techniken und welche Übungen er vorführen möchte.

Zu den wichtigsten Pflichtübungen beim Voltigieren zählen:

  • Aufsprung in den Sitz
  • Schere
  • Freier Sitz
  • Freies Stehen
  • Mühle
  • Fahne
  • Flanke
  • Aufsprung in die Hocke

Folgende Kürübungen sind bei diesem Reitsport von Belang:

  • Prinzensitz
  • Bank
  • Bank rücklings
  • Standspagat
  • Aufsprung mit Hilfe von oben
  • Hochgestützter Handstütz
  • Handstand vorwärts gegrätscht

Pflichtübungen beim Voltigieren

Aus den verschiedenen Pflichtübungen wie der Mühle, der Fahne oder dem Grundsitz werden dynamische und komplexe Übungen, Sprünge und Schwünge entwickelt. Bei den akrobatischen Übungen sind kaum Grenzen gesetzt, es dürfen jedoch nicht mehr als drei Menschen auf bzw. am Pferd sein. Nachfolgend werden die Pflichtübungen beim Voltigieren näher vorgestellt.

Pflichtübungen beim Voltigieren im Überblick

Aufsprung in den Sitz

Beim Voltigieren gilt der Aufsprung als erste Übung. Der Akrobat muss schließlich auf das Pferd kommen. Bis der Turner den Sprung beherrscht, braucht es etwas Übung, damit der Schwung des Pferdes optimal ausgenutzt werden kann. Man läuft entlang an der Longe auf das galoppierende Pferd zu. Dann läuft der Akrobat einige Sprünge neben dem Pferd her. Er fasst die Griffe des Longiergurtes und springt dann mit beiden Beinen geschlossen ab. Beim Aufsprung in den Sitz sitzt der Turner dann unter Zuhilfenahme von Beinen und Armen weich und sicher hinter dem Longiergurt ein.

Schere

Diese schwungvolle Übung besteht aus zwei Teilen. Die Richtung des Sitzes wird bei der Schere geändert. Mit beiden Beinen holt man aus dem Vorwärtssitz kräftig Schwung und stützt sich auf die Griffe. Über die Kruppe des Pferdes werden dann die Beine gestreckt nach hinten geworfen. Die Beine kreuzen sich hierbei am höchsten Punkt. Zunächst wird die Hüfte gedreht und anschließend dann der Oberkörper. So gelingt es, im Rückwärtssitz einzusitzen. Analog folgt dann der zweite Teil, und zwar genau in umgekehrter Richtung.

Freier Sitz

Beim freien Grundsitz muss sowohl der Aufsprung als auch der Abgang beherrscht werden. Diese Grundübung gehört zu den Pflichtübungen und erfordert auf einem galoppierenden Pferd vom Voltigierer eine gute Balance. Die Arme werden in aufrechter Haltung, hinter dem Gurt sitzend, seitlich ausgestreckt. Die Fußspitzen des Voltigierers zeigen bei dieser Übung nach unten und auch die Beine werden herabgestreckt, nämlich seitlich entlang am Pferd.

Freies Stehen

Ein hohes Gefühl für Balance ist auch bei dieser Übung notwendig. Man kniet auf dem Rücken des Pferdes und aus dem Knien geht dann der Turner in den Hockstand über. Das Gewicht wird dabei nach hinten auf die Füße verlagert, sodass sich der Akrobat langsam aufrichten kann. Der Blick des Voltigierers ist dabei nach vorne gerichtet und die Arme werden seitlich ausgestreckt, gewöhnlich auf Schulterhöhe. Für den Turner ist es vorteilhaft, bei dieser Übung gleichmäßig auf den kompletten Fußflächen zu stehen.

Mühle

Die Mühle besteht aus mehreren Takten. Das Pferd absolviert für jeden Takt vier Galoppsprünge. Der Turner zeigt bei dieser Grundübung im Pflichtteil, wie er sich einmal um 360 Grad dreht. In vier Schritten erfolgt diese Übung. Im Vorwärtsschritt wird gestartet. Hintereinander werden die Beine des Voltigierers über den Rücken und den Kopf des Pferdes geführt. Der Sportler befindet sich nach Abschluss der Übung genau wieder in der Ausgangsposition. Der Griffwechsel an den Griffen des Gurtes muss je nach Position vollzogen werden, ansonsten hält sich der Turner an den Griffen des Voltigiergurtes konstant fest. Bei jedem Wechsel sind die Beine des Akrobaten gestreckt.

Fahne

Bei dieser bekannten Übung sind zur Ausführung eine gute Balance und eine hohe Körperspannung unerlässlich. Die Fahne entwickelt sich aus dem Knien auf dem Rücken des Pferdes. Hierbei wird ein Bein nach hinten ausgestreckt und der gegenüberliegende Arm wird nach vorne ausgestreckt. Die Übung sollte über vier Galoppsprünge hinweg gezeigt werden können. Wichtig ist, dass sich hierbei die Fußspitzen und die Handspitzen auf einer Höhe befinden. Der Kopf des Voltigierers ist leicht zurückgelegt.

Flanke

Diese sehr dynamische Übung setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Es bedarf bei der Ausführung der Flanke ein gewisses Maß an Spannung und Kraft. Vom normalen Sitz aus wird gestartet. Der Turner holt kräftig Schwung mit beiden Beinen. Er schwingt die gestreckten Beine nach hinten und sein Oberkörper geht dabei nach vorne. Die Beine werden hoch über der Kruppe geschlossen, in der Hüfte knickt man ein. Dann dreht man sich zum Innensitz und für den zweiten Teil wird erneut Schwung geholt. Über die Kruppe wirft man die Beine und mit den Armen drückt sich der Voltigierer zusätzlich nach außen hin ab. Lässt der Turner dabei die Griffe los, so landet er federnd neben dem Pferd und läuft anschließend nach vorne aus.

Kürübungen beim Voltigieren

Das Aufwärmen der Voltigierer und der Reitpferde ist auch bei den Übungen für den Kürteil unbedingt notwendig. So können die Turner und die Tiere gewisse Verletzungen a priori vermeiden.

Kürübungen beim Voltigieren

Prinzensitz

Diese schöne Übung lässt sich sehr gut mit anderen Übungen (Knien/Stehen) kombinieren. Sie entwickelt sich aus dem Knien oder dem Vorwärtssitz. Der Turner kniet bei dieser Übung aber nur auf einem Bein. Der Unterschenkel dieses Beines wird zur besseren Stabilisierung leicht quer gelegt. Die Arme sind bei dieser Übung seitlich ausgestreckt und der Oberkörper des Voltigierers ist aufrecht.

Bank

Viele Übungen können aus der Bank entwickelt werden. So gibt es auch einige Partnerübungen, bei denen sich einer der Turner in dieser bestimmten Situation befindet. Die Bank beginnt so, dass der Akrobat auf dem Rücken des Pferdes kniet. Wenn möglich, genau parallel zur Wirbelsäule des Tiers. Hierbei gilt es für den Voltigierer einige Richtwerte genau einzuhalten. Das heißt, die Schultern des Voltigierers sollten perfekt über den Griffen platziert werden. Die Ellenbogen des Turners zeigen nach hinten. Der Körper wird bei dieser Übung locker gehalten. Aus dem Bauch heraus erfolgt die einzige Spannung. Auf diese Weise bildet diese Grundposition eine Ausgangsbasis für etliche weitere Übungen. In der Kür wird das Knien auf der Bank gerne gesehen und oftmals ohne Punkteabzüge bewertet.

Bank rücklings

Diese Übung entwickelt sich aus dem Rückwärtssitz heraus. Mit beiden Händen hält sich der Turner hinter dem Rücken an den Griffen fest. Die Füße werden nacheinander auf der Kruppe des Pferdes aufgesetzt. Der Turner hebt anschließend die Hüfte an, sodass die Hüfte, der Oberkörper und die Oberschenkel eine gerade Linie bilden. Bei der Übung Bank rücklings darf der Akrobat in der Hüfte nicht eingeknickt durchhängen.

Standspagat

Eine optisch besonders ansprechende Figur ist der Standspagat. Der Akrobat muss bei der Durchführung dieser Übung eine ausgesprochene Dehnbarkeit aufweisen. Ein Standspagat kann bei Doppel- und Dreierkürübungen von den Turnern in den Schlaufen stehend oder auch nebeneinander ausgeführt werden. Der Voltigierer stützt sich mit einer Hand am Griff ab und die andere Hand liegt flach auf dem hinteren Teil des Pferderückens. Ein Fuß des Turners befindet sich unmittelbar in der Nähe der Hand am Griff, das andere Bein hingegen wird ganz nach oben hin ausgestreckt.

Aufsprung mit Hilfe von oben

Führen mehrere Turner eine Übung auf dem Pferd durch, so müssen sie natürlich nacheinander auf das Turnierpferd springen. Befindet sich hierbei ein Voltigierer bereits auf dem Pferd, dann kann er seinen Voltigierpartnern beim Aufspringen aufs Pferd eine Hilfestellung bieten. Geschick, Timing, Kraft sowie Körperbeherrschung spielen beim Aufsprung mit Hilfe von oben eine wichtige Rolle.

Hochgestützter Handstütz

Bei dieser Hebefigur befinden sich zwei Voltigierer auf dem hinteren bzw. vorderen Rückenteil des Pferdes. Ein Turner sitzt verkehrt herum im Mähnenbereich und der zweite Sportler steht in Reitrichtung am hinteren Ende des Pferderückens. Der dritte Turner wird dann von den anderen beiden Partnern hochgehalten. Von großer Bedeutung ist hierbei die hohe Körperspannung jenes Voltigierers, der in die Höhe gehoben wird.

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