Versammlung beim Pferd erklärt

Versammlung beim Pferd erklärt

Die Versammlung des Pferdes – jeder spricht über sie, doch kaum jemand kann konkret beschreiben, wie diese genau aussehen soll. Nicht umsonst ist die korrekte Versammlung höchst anspruchsvoll und der letzte Punkt der Ausbildungsskala. Gleichzeitig ist sie relevant für die Gesunderhaltung und Gymnastik des Pferdes in jeder Reitsportdisziplin. Der folgende Artikel klärt Fragen wie „was bedeutet es, ein Pferd zu versammeln und wie sieht diese überhaupt aus?“, „wo ist das Versammeln wichtig beim Reiten?“ und gibt wichtige Tipps und Tricks für das Erarbeiten und Reiten der korrekten Versammlung.

Was bedeutet ein Pferd versammeln?

Die Versammlung als der letzte Punkt der Ausbildungsskala der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung – nach ihrer internationalen Bezeichnung Fédération Equestre Nationale kurz FN benannt) sollte das Ausbildungsziel von jedem Pferd (und Reiter) darstellen. Gemeint ist mit der Versammlung eine ganzheitliche Betrachtung des Pferdes von einer mentalen und physischen Bereitschaft von diesem.

Physisch bedeutet ein Pferd zu versammeln, dass das Pferd das Gewicht von sich und dem Reiter vermehrt auf der Hinterhand aufnimmt. Hierzu beugt das Pferd seine Hanken (das sind im Gesamten die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke).

Mental bedeutet die Versammlung beim Pferd ebenfalls das Zeigen einer emotionalen Bereitschaft sowie Aufmerksamkeit für den Bewegungsablauf. Das Pferd muss gesundheitlich, vom Alter her, mental sowie vom Ausbildungsstand bereit sein, konzentriert und aufmerksam mit dem Reiter die Versammlung auszuführen. Gleichzeitig dient die Versammlung der Gesunderhaltung des Pferdes.

Pferde können sich an der Hand sowie unter dem Reiter versammeln.

Woran erkennt man die Versammlung beim Pferd?

Eine Versammlung beim Pferd erkennt man der Hankenbeugung (das bedeutet die Beugung von Hüft-, Knie- und Sprunggelenken der Hinterbeine). Das Pferd setzt seine Hinterbeine vermehrt unter den Bauch. Dadurch sieht es so aus, als wenn das Pferd mit seinen Hinterbeinen in „die Hocke gehen würde“. Zeitgleich schaut der vordere Teil des Pferdes höher als der hintere Teil des Pferdes aus. Im gesamten Pferd ist von hinten nach vorne eine Aufwärtstendenz sichtbar, man sagt auch, das Pferd geht „bergauf“.

Ferner erkennt man ein versammeltes Pferd an einem Heben des Widerristes und Aufwölben des Rückens. Der Rückenmuskeln sollten schwingen, das ganze Pferd sollte losgelassen und durchlässig wirken und sein, körperlich sowie geistig. Mental sollte das Pferd bereit und aufmerksam wirken.

Durch die Hankenbeugung wird ebenfalls der Hals des Pferdes aufgerichtet und das Genick aufgewölbt. Das Genick ist der höchste Punkt des Pferdes in der Versammlung. Wichtig ist, dass die Aufrichtung des Pferdes relativ beziehungsweise natürlich passiert. Das Pferd darf nicht durch die Zügeleinwirkung des Reiters in eine künstliche Aufrichtung gezwungen werden.

Im Trab kann man eine korrekte Versammlung leicht als Zuschauer erkennen: Betrachtet man die Hinterbeine und Vorderbeine des Pferdes in der Schwebephase, sollten beide Beinpaare zusammen den Buchstaben „M“ bilden. Jeder Teil des „M“ sollte bei den Vorderbeinen und Hinterbeinen gleich groß sein.

Als Reiter fühlt sich die Versammlung an, als wenn dein Pferd vorne etwas höher werden würde.

Wo ist das Versammeln wichtig beim Reiten?

Sobald der Reiter sich auf ein Pferd setzt, ist die Versammlung wichtig für die Gesunderhaltung des Pferdes. Pferde sind von der Natur aus nicht dafür vorgesehen, ein zusätzliches Gewicht in Form eines Reiters zu tragen. Lassen wir das Pferd einfach unter dem Reiter „latschen“, wird sich mit der Zeit der gesundheitliche Zustand von dem Tier abnutzen. Durch die Versammlung halten wir die Pferde gesund, indem durch die Lastaufnahme auf der Hinterhand die Vorhand und der Rücken entlastet werden. Zeitgleich wird die Vorhand des Pferdes beweglicher. Die Versammlung des Pferdes fördert das Gleichgewicht sowie die Selbsthaltung und Leichtigkeit von diesem.

Aufgrund der Gesunderhaltung des Pferdes ist das Versammeln in allen Bereichen des Reitsports wichtig: Das gilt für das Springreiten, die Vielseitigkeit, das Dressurreiten sowie für das Freizeitreiten gleichermaßen. In der Dressur ist die Versammlung die Voraussetzung für das Reiten verschiedener Lektionen, zum Beispiel für die Piaffe und Passage.

Auch die Versammlung als letzter Punkt der Ausbildungsskala unterstreicht die Bedeutung ihrer Relevanz in allen Bereichen des Reitsports, da die Ausbildungsskala und somit die Ausbildung eines jeden Pferdes und Reiters das Ziel eines durchlässigen, mentalen und physisch bereiten Reitpferdes haben.

Tipps und Tricks zum richtigen Versammeln

Das Erarbeiten und Reiten einer korrekten Versammlung ist anspruchsvoll, sodass sich die Unterstützung und Begleitung eines fachkundigen Trainers oder Reitlehrers empfiehlt.

Auch für das Pferd ist das richtige Versammeln anspruchsvoll, sodass man als Reiter viel Geduld und Zeit für sein Pferd mitbringen sollte. Eine langsame Gewöhnung der Muskeln an das Training sowie regelmäßige Pausen sind für das Pferd, körperlich und geistig, wichtig. So empfiehlt es sich im Training immer nur kurze Strecken in der Versammlung zu reiten, damit das Pferd schwungvoll, frisch und lebhaft bleibt. Beispiele hierfür sind das Antraben oder Angaloppieren aus dem Stand oder Angaloppieren aus dem Schritt, welche versammelnd und schwungvoll auf das Pferd wirken. Der versammelte Trab sollte ebenfalls nur auf kurzen Strecken und im Wechsel mit freien Gangarten geritten werden.

Ebenfalls wichtig für die Frische und Lebhaftigkeit des Tieres ist die geistige Gesundheit des Pferdes. Versammlung ist ebenfalls Kopfarbeit für dein Pferd. Für die geistige Gesundheit sind genügend Auslauf, Kontakt zu Artgenossen, eine gute Fütterung und abwechslungsreiche Beschäftigung des Pferdes wichtig. Überforderung des Pferdes sollte vermieden werden.


Reflektiere dich als Reiter immer selber und suche die Fehler bei dir, nicht bei deinem Pferd.

Viele Reiter neigen dazu, eine Versammlung durch das Zerren an den Zügeln und das Zwingen des Kopfes des Pferdes in eine aufrechte Position zu erzielen. Damit wird jedoch das Gegenteil der Versammlung erreicht, das Pferd blockiert dann nämlich. Lasse dein Pferd von selber in die aufrechte Hals-Kopf-Position kommen und reite mit möglichst wenig Zügeleinwirkung. Bleibe selber ebenfalls mental frisch und locker und löse dich von Gedanken, das Pferd in eine versammelnde Position „zwingen“ zu können. Ein losgelassenes Pferd benötigt einen losgelassenen Reiter.

Die Versammlung geschieht über das Untertreten der Hinterhand und die Hankenbeugung. Diese erreichst du u.a. mit dem Reiten von Tempowechseln im Galopp und Trab, wechselnden Übergangen, dem Reiten von gebogenen Linien in Innen- und Außenstellung, einfachen Galoppwechseln, Seitengängen (Schulterherein, Schultervor, Kruppeherein, Kruppevor, Schenkelweichen und Weiteren) und Rückwärtsrichten.

Lobe dein Pferd, halte es motiviert und achte darauf, dass die Muskeln des Pferdes zwischendurch entspannen können, zum Beispiel durch Pausen oder dem Reiten von Vorwärts-Abwärts.

Erarbeite die Versammlung zunächst an der Hand (zum Beispiel durch die vorgestellten Übungen und mit der Unterstützung eines Trainers), bevor du diese beim Reiten abfragst.

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